Diagnose Demenz: Hilfe, Verständnis und neuer Mut

15.03.2018

MDK Bayern und Alzheimer Gesellschaft begrüßten Betroffene, Angehörige, Ärzte und Pfleger zum Erfahrungsaustausch im Rahmen der Veranstaltungsreihe MDK im Dialog in Aschaffenburg.

Die Diagnose Demenz ist für jeden Betroffenen ein einschneidendes Erlebnis und stellt das gewohnte Leben auch für die Angehörigen auf den Kopf. Hilflosigkeit, Angst, Wut und Ärger wechseln sich mit einer Menge an Fragen ab. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung in Bayern (MDK Bayern) und die Alzheimer Gesellschaft Aschaffenburg e. V. – Selbsthilfe Demenz griffen dieses aktuelle Thema auf und hatten unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Klaus Herzog zur Veranstaltung „MDK im Dialog – Demenz, eine Herausforderung unserer Zeit“ eingeladen. Der Einladung zum Erfahrungsaustausch folgten rund 90 Betroffene, Angehörige, Ärzte und pflegerisches Fachpersonal.

Daniel Merten vom MDK Bayern machte in seiner Begrüßung deutlich, dass Demenzerkrankungen eine immer größere Rolle spielen werden: „Unsere Gesellschaft erlebt heute einen beeindruckenden demographischen Wandel. Wir werden immer älter und damit werden auch die Demenzerkrankungen zunehmen.“ Derzeit seien in Deutschland rund 1,6 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen. Sofern in der Therapie kein Durchbruch gelinge, gehe man davon aus, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2050 verdopple. In Aschaffenburg – der Stadt, in der der spätere Arzt Alois Alzheimer am Kronberg-Gymnasium sein Abitur absolvierte – haben Menschen mit Demenz eine wichtige Anlaufstelle. Die 2016 gegründete Alzheimer Gesellschaft Aschaffenburg hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen mit demenziellen Erkrankungen zu unterstützen und zu begleiten. Auch für die Angehörigen, die oft in besonderer Weise gefordert sind, möchte die Selbsthilfeorganisation da sein.
 
Medizinische Fakten zum Krankheitsbild und Perspektiven zum Umgang mit den Betroffenen erläuterte Reinhard Platzek, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Aschaffenburg, in seinem Vortrag. Dabei wurde auch deutlich, was der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer ist: „Demenz“ ist der Überbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die Alzheimersche Erkrankung ist eine bestimmte Form der Demenz. Sie tritt am häufigsten auf und führt dazu, dass in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich Nervenzellen und Nervenzellkontakte zugrunde gehen. Unabhängig von der Demenzform treten Störungen und Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten auf: Beim Wahrnehmen, Denken und Erinnern können sich die Schäden bemerkbar machen. Die Krankheit beginnt dabei meist unmerklich für die Außenstehenden. Viele Erkrankte bemerken selbst als Erste Veränderungen. Sie stellen fest, dass sie zunehmend vergesslich sind, Schwierigkeiten haben Neues zu lernen oder alltägliche Routineaufgaben zum Problem werden. Bei Verdacht auf ein Demenz-Syndrom ist eine diagnostische Abklärung wichtig und sollte möglichst frühzeitig erfolgen, um den Verlauf möglichst positiv zu beeinflussen. Auch eine Pflegebedürftigkeit kann so unter Umständen deutlich hinausgezögert werden. In einem weiteren Vortrag informierte Winfried Fischer, Leiter der Pflegebegutachtung beim MDK Bayern, welche Änderungen die Pflegereform für Menschen mit Demenz gebracht hat.  Im Anschluss an die Vorträge beantworteten die Experten Fragen aus dem Publikum und hielten Informationsmaterial bereit.

Wichtige Informationen zum Thema Demenz haben der MDK Bayern und die Alzheimer Gesellschaft Aschaffenburg e.V. hier zusammengestellt:

Vorbeugung
Einen Schutz, an einer Demenz zu erkranken, gibt es leider nicht. Aber es gibt Faktoren, die das Risiko verringern können. Dazu gehören geistige, körperliche und soziale Aktivität, eine ausgewogene Ernährung und die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus. 

Therapie
Welche Form der Therapie im Einzelfall geeignet ist, hängt von der Art der Demenz, vom Stadium der Erkrankung und den Symptomen ab. Medikamente spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie werden eingesetzt, um die geistige Leistungsfähigkeit zu stabilisieren, Verhaltensstörungen zu mildern und in manchen Fällen auch, um weitere Schädigungen des Gehirns zu verhindern. Aber auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Ergotherapie, Musik- und Kunsttherapie sind hilfreich, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Ein wertschätzender Umgang mit den Betroffenen und eine demenzgerechte Gestaltung der Umwelt sind für die Erkrankten ebenso wichtig.

Umgang mit Demenzkranken
Wie jeder Mensch, so ist auch jeder demenzkranke Mensch unterschiedlich und es gilt auszuprobieren, welcher Umgang am besten hilft. Bewährt hat sich in jedem Fall ein wertschätzender Umgang. Der Grundsatz dabei: Man akzeptiert, dass Menschen mit Demenz in ihrer eigenen Welt leben, korrigiert sie nicht ständig und versucht, sie zu verstehen. Beratung und der Austausch mit anderen in einer regionalen Selbsthilfegruppe können pflegenden Angehörigen helfen, Demenzerkrankungen besser zu verstehen und sich selbst nicht zu überlasten.

Betreuung
Rund zwei Drittel der Erkrankten werden in der Familie versorgt und gepflegt, zum Teil unterstützt von ambulanten Pflegediensten. In Tagespflegeeinrichtungen werden Erkrankte tagsüber betreut. Für Entlastung der pflegenden Angehörigen können ehrenamtliche Helfer sorgen, die stundenweise die Betreuung zu Hause unterstützen. Sie werden u. a. durch Sozialstationen vermittelt. Immer öfter werden auch Betreuungsgruppen angeboten, in denen die Erkrankten ein- bis zweimal wöchentlich für einige Stunden gemeinsam Beschäftigung finden. Bei Krankheit oder Urlaub der Angehörigen ist eine befristete Versorgung in einer Einrichtung für Kurzzeitpflege möglich. Ist keine häusliche Betreuung möglich, kann eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für Demenzkranke oder ein Umzug in ein Seniorenheim in Frage kommen.

Der MDK Bayern freut sich über die zweite, gelungen Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „MDK im Dialog“. Weitere Termine folgen.

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Über den MDK Bayern

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung in Bayern (MDK Bayern) ist der unabhängige sozialmedizinische und pflegefachliche Beratungs- und Begutachtungsdienst von über 10,4 Mio. gesetzlich kranken- und pflegeversicherten Bürgern in Bayern. Im Jahr 2017 haben die über 1.000 angestellten Fachkräfte des MDK Bayern – überwiegend Ärzte und Pflegekräfte – in den 24 Beratungs- und Begutachtungszentren in Bayern mehr als 1,4 Millionen Gutachten, Empfehlungen und Einzelfallprüfungen im medizinischen und pflegerischen Bereich durchgeführt. Im Interesse der Versichertengemeinschaft trägt der MDK Bayern dazu bei, die gesundheitliche Versorgung insgesamt qualitativ weiterzuentwickeln und Maßnahmen zu vermeiden, die unnötig, gefährlich oder unwirtschaftlich sind. Ziel ist es, eine stabile gesundheitliche Versorgung auf hohem Niveau dauerhaft sicherzustellen.

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