100 Tage neue Pflegebegutachtung: Der MDK Bayern zieht eine erste Bilanz

Fünf Pflegegrade statt drei Pflegestufen und eine völlig neue Art der Begutachtung: Seit dem 1. Januar ist der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff in Kraft. Rund 100 Tage nach der Umstellung zieht der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Bayern (MDK Bayern) eine erste Bilanz. „Die Begutachtung ist wesentlich differenzierter, näher an der Lebensrealität der Betroffenen und wird von den Antragstellern und ihren Familien besser angenommen“, sagt Reiner Kasperbauer, Geschäftsführer des MDK Bayern. „Unsere Hoffnung, dass der Pflegebedarf dadurch umfassender erfasst wird, hat sich erfüllt. Damit können wir schon nach den ersten drei Monaten ein positives Fazit ziehen.“

Die Rückmeldung der Versicherten sei bisher sehr gut, so Kasperbauer. Dank der neuen Begutachtung werden wesentlich mehr Aktivitäten der pflegebedürftigen Person erfasst und die Pflegefachkräfte berichten, dass die Gespräche mit den Pflegebedürftigen und ihren Pflegepersonen deutlich intensiver sind. Statt wie früher „Hilfebedarfe in Minuten“ abzufragen, steht jetzt der Grad der Selbständigkeit des pflegebedürftigen Menschen im Mittelpunkt: Was kann er selbst bewerkstelligen und wobei braucht er Hilfe und Unterstützung im Alltag? Damit orientiert sich der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff nicht mehr an den Defiziten, sondern vielmehr an den Ressourcen. Insbesondere bei Eltern behinderter Kinder werde dies sehr positiv aufgenommen, so die Beobachtung der Pflegefachkräfte. Zudem ist das Ergebnis der Begutachtung für den Antragsteller besser nachvollziehbar. 

Insgesamt sind beim MDK Bayern in den ersten drei Monaten deutlich mehr Aufträge zur Begutachtung eingegangen als in den Vergleichsmonaten in den Jahren zuvor: Während im März 2016 23.797 Aufträge vorlagen, waren es in diesem Jahr 30.274 – das entspricht einer Steigerung von 27 Prozent. Damit liegt Bayern im Bundesdurchschnitt. Reiner Kasperbauer erklärt: „Wir haben mit diesem Anstieg gerechnet. Denn es ist ja gerade Ziel der Pflegereform, dass mehr Versicherte Zugang zu Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten.“

Um das Auftragsvolumen gut zu bewältigen hat der MDK Bayern daher bereits im Herbst 2016 zusätzliche Pflegefachkräfte eingestellt und Anfang des Jahres nochmals Personal aufgestockt. Alle Gutachter wurden vorab intensiv geschult und mit dem neuen Begutachtungsinstrument vertraut gemacht. „Diese Vorbereitungen haben sich ausgezahlt. Unsere Pflegefachkräfte können die neue Begutachtungsweise sehr gut umsetzen“, erklärt Kasperbauer. Trotz des zusätzlichen Personals müssten sich Antragsteller allerdings unter Umständen noch auf eine etwas längere Bearbeitungsdauer von aktuell bis acht Wochen einstellen, bis sie den Leistungsbescheid der Versicherung erhalten. Die bisher geltende 25-Arbeitstagefrist von Antrag bis Leistungsbescheid wurde bis Ende des Jahres 2017 bundesweit ausgesetzt. Für Eilfälle und dringende Fälle gelten aber weiterhin Fristen, wie Kasperbauer betont: „Wer dringend eine Begutachtung braucht, kann sicher sein, dass sein Antrag fristgerecht bearbeitet wird.“ Auch bei Erstanträgen für eine Heimpflege oder eine Pflege durch einen ambulanten Dienst wird die 25-Arbeitstagefrist erfüllt. Der MDK Bayern rät daher Versicherten, in ihrem Antrag auf die gewünschte Leistungsart hinzuweisen, um so eine möglichst schnelle Bearbeitung sicherzustellen.
  
Weitere Informationen zur Pflegebegutachtung und den neuen Pflegegraden finden Sie auch auf unserer Webseite www.mdk-bayern.de/pflegebegutachtung

Ein Pressestatement der MDK-Gemeinschaft und des MDS finden Sie auf der Webseite des MDS: Neue Pflegebegutachtung: Medizinische Dienste ziehen erste positive Bilanz

 

 

Über den MDK Bayern
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung in Bayern (MDK Bayern) ist der unabhängige sozialmedizinische und pflegefachliche Beratungs- und Begutachtungsdienst von über 10,4 Mio. gesetzlich kranken- und pflegeversicherten Bürgern in Bayern. Im Jahr 2016 haben die über 1.000 angestellten Fachkräfte des MDK Bayern – überwiegend Ärzte und Pflegekräfte – in den 24 Beratungs- und Begutachtungszentren in Bayern mehr als 1,4 Millionen Gutachten, Empfehlungen und Einzelfallprüfungen im medizinischen und pflegerischen Bereich durchgeführt. Im Interesse der Versichertengemeinschaft trägt der MDK Bayern dazu bei, die gesundheitliche Versorgung insgesamt qualitativ weiterzuentwickeln und Maßnahmen zu vermeiden, die unnötig, gefährlich oder unwirtschaftlich sind. Ziel ist es, eine stabile gesundheitliche Versorgung auf hohem Niveau dauerhaft sicherzustellen.


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