Pflegebegutachtung

Der MDK Bayern begutachtet alle gesetzlich Versicherten, die Leistungen über ihre Pflegekasse beantragt haben. Erfahren Sie hier, was Sie bei der Pflegebegutachtung erwartet und wie Sie sich darauf vorbereiten können.

Wie beantragen Sie Pflegeleistungen?

Ihre Pflegekasse ist Ihr erster Ansprechpartner für alles, was mit der Antragstellung und mit Leistungen aus der Pflegeversicherung zu tun hat. Pflegeleistungen beantragen Sie daher direkt bei der für Sie zuständigen Pflegekasse, die bei Ihrer Krankenkasse angesiedelt ist. Die Pflegekasse beauftragt dann den MDK mit einer Pflegebegutachtung, die die Pflegegutachter des MDK im persönlichen Umfeld der antragstellenden Personen durchführen. Das Gutachten ist die Grundlage für die Entscheidung der Kasse über Pflegeleistungen. Den Leistungsbescheid erhalten Sie direkt von Ihrer Pflegekasse.
Telefonische Beratung erhalten Sie auch beim Pflegeservice Bayern: 0800-7721111

Warum kommt der MDK zu Ihnen?

Nachdem Sie einen Antrag auf Pflegeleistungen gestellt haben, beauftragt Ihre Pflegekasse den MDK mit einer Begutachtung in Ihrem Lebensumfeld. Die gesetzlich vorgeschriebene Aufgabe des MDK umfasst die Feststellung, ob und in welchem Umfang Antragsteller selbstständig in ihrer Lebensführung sind (§ 18 Sozialgesetzbuch XI). Dabei wird geschaut, inwieweit sie ihren Alltag selbständig bewältigen können und wobei sie Unterstützung brauchen. Die Pflegegutachter beurteilen also, ob Sie pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes sind und wenn ja, welcher Pflegegrad bei Ihnen vorliegt.

Wann kommt der MDK?

Bei einem Erstantrag liegen zwischen der Antragstellung und dem Bescheid der Pflegekasse nicht mehr als fünf Wochen. Innerhalb dieses Zeitraums erfolgt die Begutachtung durch den MDK. In 2017 kann es wegen hohen Antragszahlen vereinzelt zu längeren Fristen kommen.
Den geplanten Begutachtungstermin teilt Ihnen der MDK per Post mit. Im Schreiben werden Sie auch darüber informiert, welche Unterlagen Sie für die Begutachtung bereithalten sollten. In Eilfällen wird telefonisch ein Termin vereinbart. Wenn Sie einen Begutachtungstermin nicht wahrnehmen können, z. B. wegen eines Krankenhausaufenthaltes, informieren Sie uns bitte über die Terminänderung.

Wer kommt vom MDK Bayern?

Die Begutachtung wird durch erfahrene Pflegefachkräfte oder Ärzte durchgeführt. Sie bekommen Besuch von einem einzelnen Gutachter oder einer Gutachterin, die sich ausweisen können. Unsere Mitarbeiter sind speziell für die besonderen Situationen pflege- und betreuungsbedürftiger Menschen ausgebildet.

Leider kommt es immer wieder vor, dass sich fremde Personen telefonisch als MDK-Mitarbeiter ausgeben und kurzfristig Hausbesuche ankündigen oder Pflegebedürftige persönlich aufsuchen. Wir bitten Sie daher um erhöhte Vorsicht und um Beachtung folgender Punkte:

  • Lassen Sie sich den Dienstausweis des MDK-Mitarbeiters zeigen. Auch dann, wenn es sich um einen ordnungsgemäß angemeldeten Begutachtungstermin handelt.
  • Bei seltsam erscheinenden Anrufen, zum Beispiel einer sehr kurzfristigen Besuchsankündigung, sollten Sie sich bei unserem Telefonservice unter der Telefonnummer 0911/ 65068 555 die Richtigkeit bestätigen lassen.
  • Im akuten Verdachtsfall raten wir Ihnen, direkt bei der Polizei Anzeige zu erstatten.
Was passiert bei der Begutachtung?

Die Gutachter beurteilen, ob Sie pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes sind. Neben aktuellen Krankheiten und Vorerkrankungen erkundigen sich die Gutachter danach, welche Dinge Sie im Alltag noch selbstständig bewältigen können und wobei Sie zur Lebensführung Unterstützung benötigen. Darüber hinaus wollen die Gutachter wissen, ob Sie bereits Hilfsmittel nutzen. Wenn nötig, werden Sie bei der Wahl weiterer geeigneter Hilfsmittel beraten. Falls es in Frage kommt, wird mit Ihnen über hilfreiche bauliche Veränderungen in Ihrer Wohnung gesprochen. Es wird geprüft, ob vorbeugende oder rehabilitative Maßnahmen Ihre Selbständigkeit im Alltag fördern und ob weitere Versorgungsmöglichkeiten Ihre Situation erleichtern können.


Eine Diagnostik, wie Sie sie vielleicht von Ihrer hausärztlichen Versorgung gewohnt sind, erfolgt beim MDK-Besuch nicht. Entscheidend für die Feststellung von Pflegebedürftigkeit und die Zuordnung zu einem Pflegegrad ist der Grad Ihrer Selbständigkeit im Alltag. Welche Aktivitäten und Fähigkeiten dabei betrachtet werden, ist gesetzlich definiert.

Wie kann ich mich auf die Begutachtung vorbereiten?

Zur Vorbereitung auf den Besuch des MDK erhalten Sie mit der Besuchsankündigung auch ein Informationsblatt. Legen Sie Ihre Medikamente und die von Ihnen genutzten Hilfsmittel für die Begutachtung bereit, ebenso vorhandene aktuelle Arzt- und Krankenhausberichte. Wenn Sie bereits durch einen ambulanten Pflegedienst oder ein Pflegeheim versorgt werden, ist die Pflegedokumentation hilfreich. Bitten Sie die Person(en), von der / denen Sie im Alltag regelmäßig unterstützt werden, bei der Begutachtung anwesend zu sein.
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Was ist, wenn Sie pflegebedürftig aus dem Krankenhaus entlassen werden?

Eine besondere Situation ergibt sich, wenn Sie unmittelbar nach einem Krankenhaus- oder Rehabilitationsaufenthalt auf Unterstützung angewiesen sind und die Betreuung niemand aus Ihrem Umfeld übernehmen kann. In diesem Fall kann der Sozialdienst des Krankenhauses/der Rehaklinik dafür sorgen, dass der MDK für Sie ein Pflegegutachten nach Aktenlage – also ohne persönliche Untersuchung – erstellt. Das kann für einen sicheren Übergang aus der stationären in die häusliche Versorgung wichtig sein. Die persönliche Begutachtung mit Besuch bei Ihnen zuhause erfolgt dann nach Ihrer Entlassung.

Sie sind pflegebedürftig nach einem Krankenhausaufenthalt?

Eine besondere Situation ergibt sich, wenn Versicherte während eines Krankenhausaufenthaltes pflegebedürftig werden und danach niemand die Pflege zu Hause übernehmen kann. In diesem Fall führt der MDK noch während des Krankenhausaufenthaltes eine Pflegebegutachtung nach Aktenlage durch (ein sogenanntes Überleitungsgutachten). Dies ist wichtig, um einen schnellen und reibungslosen Übergang vom Krankenhaus in eine Pflegeeinrichtung sicher zu stellen. Die persönliche Begutachtung durch den MDK erfolgt dann nach Entlassung aus dem Krankenhaus oder der Rehaeinrichtung. 

Wie geht es nach der Begutachtung weiter?

Der MDK fasst die Ergebnisse der Begutachtung sowie die Empfehlung zu einem Pflegegrad in einem schriftlichen Gutachten zusammen. Darüber hinaus kann das Gutachten Hinweise zu Hilfsmitteln, Verbesserungsmöglichkeiten in Ihrem Wohnumfeld und Empfehlungen für vorbeugende und rehabilitative Maßnahmen enthalten. Das Gutachten gibt der MDK an Ihre Pflegekasse weiter. Die Entscheidung über Ihren Antrag trifft die Pflegekasse. Von dort erhalten Sie einen schriftlichen Bescheid sowie das Gutachten.
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Wie viele Pflegegrade gibt es?

Es gibt insgesamt fünf Pflegegrade. Nach den Pflegegraden richtet sich die Höhe des Geldbetrages, den die Pflegekasse für Ihre Versorgung und Betreuung zur Verfügung stellt.
Alle Details zu den Pflegegraden finden Sie hier.
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Was ist, wenn Sie mit der Entscheidung über Ihren Antrag nicht einverstanden sind?

Wenn Sie mit dem Bescheid der Pflegekasse nicht einverstanden sind, können Sie mit einer Frist von 4 Wochen Widerspruch einlegen. Bitte beachten Sie, dass der Widerspruch direkt an Ihre Pflegekasse gerichtet werden muss. Ihre Pflegekasse entscheidet, ob auf Ihren Widerspruch hin ein weiteres Gutachten erstellt wird. Wenn Ihre Kasse den MDK mit einer erneuten Begutachtung beauftragt, werden Ihre Einwände zunächst geprüft, ebenso nachträglich eingereichte Unterlagen. Wenn sich daraus bereits ein eindeutiges Bild ergibt, kann ein weiteres Gutachten ohne eine nochmalige Untersuchung bei Ihnen zuhause erstellt werden. Ist eine erneute persönliche Begutachtung notwendig, erfolgt ein weiterer Hausbesuch. Das Widerspruchsgutachten wird grundsätzlich von einem anderen Gutachter erstellt.